AUSSTELLUNG
EBORAN WIEN

Back to the Roots
Marianne Lang

Die Natur ist etwas Schönes, sie ist etwas, das wir Menschen brauchen, sie ist etwas derer wir uns bedienen, auch wenn sie uns schnell gefährlich werden kann, sobald wir ihre Gewalt unterschätzen. In erster Linie ist Natur etwas Anderes, etwas Fremdes, etwas das uns gegenübersteht – so der gesellschaftliche Tenor der westlichen Welt – etwas das ein Gegenüber zu Kunst, Wissenschaft und Kultur bildet. Selbstverständlich befassen sich letztere drei Bereiche stark mit ihr, erforschen sie, deuten sie, imitieren sie.

Gleichzeitig kommt es aber zu einer Abgrenzung, zu einer unüberbrückbaren Distanz, zum Unvermögen zu Verstehen. Letztendlich ist der Wunsch in allem Natürlichen eine Ordnung und somit hoffentlich auch ein Sinn zu erkennen nicht nur ein naiver, sondern auch eine zutiefst menschlicher.

Die Ausstellung erscheint deshalb gespickt mit Analogien und Gegenüberstellungen, die sich seltsam bekannt anfühlen.

Die Serie Back to the Roots  (2020/22) greift ein allzu vertrautes Resultat kindlicher Naturerforschung auf. Mehr oder weniger große Hütten und Behausungen aus Ästen und Laub werden improvisiert und spielerisch zusammengestellt und erzeugen Projektionsflächen für persönliche Beobachtungen.

Die Serie Double Sight (2018/22) besteht aus Zeichnungen, die wie Doppelbelichtungen landschaftliche Außenaufnahmen und heimelige Innenaufnahmen übereinander legt.

Die großformatige Serie Abgründe (2020) befasst sich buchstäblich mit dem Ende der Welt am Wegesrand. Unauffällige Bruchkanten und erodierte Erdspalten tun sich auf, während sie alles andere systematisch ausblenden.

Bei den Bildern der Serie Nachtaktiv (2021-22) handelt es sich um Silberstiftzeichungen auf Leinwand. Die abgebildeten Pflanzen sind nachtaktiv und besetzen nicht nur eine kleine Nische sondern füllen einen ganzen Lebensraum, zeitversetzt in einen parallelen, uns unbekannten Kosmos.

Die bei der Serie Peak Finder ( 2020-22) mit Kreide und Kohle direkt auf  hauchdünne Granit- und Schieferplatten gezeichneten Berge, gehen dem gefühlte Phänomen der Distanz, die zwischen Betrachter und Berg liegt nach.

Alle gezeigten Exponate sprechen auf ihre Weise von einem zwiespältigen Verhältnis zur Natur, in welcher wir gleichermaßen verloren, wie auch zu Hause sind.

 

DATUM

16.9.–1.10.2022