AUSSTELLUNG

Spekulative Irrealitäten
Dekonstrukt

Archaisch anmutende High-Tech-Gebilde widersprechen sich selbst, suggerieren eine alternative Wirklichkeit in der sich die sogenannte «Hochkultur» differenziert entwickelt hat. Als ob sich ein Schleier der Desinformation über unsere Realität legen würde, eröffnet sich eine Parallelwelt: Vertrautes wirkt fremd, gelerntes falsch, das kollektive Gedächtnis scheint wie ausgehebelt; Das Künstlerduo Marlene Mayr und Andre Mayr lässt uns Bits &Bytes in mystischer Anmutung beobachten.

Vom Kalkstein zum Terrabyte – die Entwicklung der modernen Menschheitsgeschichte bestieg den Gipfel der momentanen und ephemeren Technisierung in einer eigenwilligen Route. Genau über diese Route wird sinniert und spekuliert, sie wird in Frage gestellt, angereichert und verändert. Dies resultiert in einer spekulativen Irrealität irgendwo zwischen verschwörerischer Science Fiction und künstlerischer Forschung. Technik informiert uns, desinformiert uns, unterhält uns, langweilt uns, bildet eine neue Spiritualität und zwingt uns unsere Moral weiter zu entwickeln; Die in der Ausstellung gezeigten (Ir)realitäten spielen mit permanenten Widersprüchen: Ikonische Wesen der Pop-Kultur finden wir entrückt im Kontext der Tradition wieder – moderne Fabelwesen oder doch nur Avatare einer künstlichen Intelligenz?

Die Technisierung als unbekannte Variabel, das moralische Hinterherhinken der Menschheit hinter dem Fortschritt der Informationstechnologie lässt sich mit dem Begriff «Pharmakon» beschreiben: Das Pharmakon ist Heilmittel, Gift und Sündenbock zugleich. Technik und Technologien ebenso. Der (konsumierende) Mensch ist vielfach ein pharmakologisches Wesen. Er ist strukturell unverantwortlich und unmündig gemacht worden. Dekonstrukt widersetzt sich der bedingungslosen Fortschrittshingabe und unterzieht das pharmakologische Wesen einer Innenschau. Mögliches Ziel: der symbolischen Misere zu entkommen.

DATUM

3.11. – 26.11.2021