EVENT

Das fliegende Teehaus

 
Im Rahmen des 35-jährigen Jubiläums der Galerie Eboran findet eine Reihe außerordentlicher Events statt, allen voran das fliegende Teehaus. Als interaktives Projekt legte das fliegende Teehaus bereits mehrere Zwischenstopps ein, unter anderem beim YCI Forum (young cultural innovators, Salzburg Global) im Schloss Leopoldskron 2017 sowie der Schmiede Hallein im Jahr 2017 und 2018.

Langfristiges Ziel ist es, mit dem fliegende Teehaus einen interaktiven Kommunikations- und Erlebnisraum in der Öffentlichkeit zu schaff en und dies vorwiegend in Salzburg bzw. Salzburg–Umgebung, aber auch im Ausland. Die japanische Teezeremonie ist hierbei als Grundlage für eine Rahmenhandlung zu verstehen, bei der die BesucherInnen in die obskuren Regeln der Teezeremonie eingewiesen und dabei sanft motiviert werden, ihre jeweiligen Rollen im Spiel einzunehmen. Jedenfalls können die BesucherInnen im Teehaus verweilen und im Rahmen einer kurzen Performance eine Tasse Matcha-Tee genießen.

Gerhard Feldbacher beschäftigt sich seit seinem Diplom 2006 mit dem Thema „mobile Architektur“. Kein Wunder, dass er sich mit japanischer Teehaus-Architektur beschäftigt, denn hierbei handelt es sich um eine äußerst leichte Bauweise, welche auch bei mobiler Architektur eine maßgebliche Rolle spielt. Ein einzelner Papierrahmen mit den Maßen 90/180 cm wiegt lediglich 3 kg, das gesamte Teehaus ca. 300 kg – also äußerst wenig für ein Gebäude dieser Größe. Dies war aber nicht der Hauptgrund für Feldbacher ein japanisches Papierhaus zu bauen. Was den Architekten besonders fasziniert, ist die Tatsache, dass es sich bei der Teehausarchitektur um eine besonders naturverbundene Architekturform handelt, die im permanenten Kontakt zu seiner Umwelt steht. Wind und Wetter zeichnen sich anhand von Schatten am Reispapier ab, die Beheizung bzw. die Befeuerung des Teekessels erfolgt durch offenes Feuer in einer versenkten Feuerstelle – nicht ohne Grund bezeichnet Feldbacher diese Bauform gern als archaische Architektur. Als Architekt ist es Feldbacher bei diesem Projekt ein persönliches Anliegen, dieses natürliche bzw. das archaische Element und die Poesie der Teehausarchitektur zu vermitteln.

Aus der Sicht des Architekten ist das Verweilen im Teehaus aus diesem Grund eine Erfahrung, die tiefer oder zumindest in einer anderen Weise anspricht als das Sitzen auf einem Sofa in einem klimatisierten Wohnzimmer. Denn anders als im modernen Wohnbau führen die äußeren Einflüsse zu fühlbaren und sich ständig verändernden Situationen im Innenraum. Bei Bedarf wärmt man sich am Feuer, riecht dabei den Rauch, gemischt mit dem Duft des Tees und dem dezenten Geruch der Tatami-Matten. Im Sommer öffnet man die Schiebeelemente eine Hand breit, damit ein kühlender Wind durch den Teeraum ziehen kann. Der Schatten eines sich im Wind biegenden Astes oder eines herabfallenden Blattes ist kurz an der Papierwand sichtbar. Auch sitzt man gemeinsam in einem Halbkreis um die Feuerstelle, eine Ausgangssituation, die sich als sehr kommunikationsfördernd herausstellen wird.

Die Architektur weist hierbei sanft den Weg. Es muss nicht extra erwähnt werden, wo oder wie die Gäste sitzen sollen, da es das Haus selbst suggeriert. In der japanischen Tradition sind die Türschwellen etwas niedriger gebaut damit die Gäste in leicht geduckter, demütiger Haltung eintreten. Dies soll den Gast auch daran erinnern, dass er seine weltlichen Sorgen außerhalb dieses Ortes ablegen soll.

Die Aufstellung in der Galerie Eboran bietet im Frühjahr 2019 die einmalige Möglichkeit, das Teehaus abseits seines „natürlichen Lebensraumes“, als Raum im Raum, in einem urbanen Umfeld aufzustellen, was das Objekthafte am Teehaus noch klarer in den Vordergrund rückt. Dabei entstehen Fragen wie: Wie wird der Geruch der Tatami-Matten oder des Tees wahrgenommen wenn Eindrücke nicht mehr mit denen der umliegenden Natur konkurrieren. Wie verhält es sich mit Geräuschen? Wirkt die Teezeremonie aufgesetzt bzw. künstlich wie das Make-up der Geisha? Verstärkt sich das Archaische durch diesen extremen Gegensatz oder wird dieser Aspekt eher gemindert wahrgenommen?

Der Künstler Daniel Huber stellt in seinen Projektionen die Ambivalenzen zwischen Natürlichkeit und Künstlichkeit in Frage, die das fliegende Teehaus durch seinen außergewöhnlichen Zwischenhalt in der Galerie Eboran Salzburg evoziert. Seine 3-D-gerenderten Videoclips von Kirschbäumen bilden die Schnittstelle zwischen Realität und Fiktion ab. Die organischen Bewegungen der Kirschblüten lassen die raffiniert getarnten Algorithmen, die diese virtuelle Situationen überhaupt erst entstehen lassen, vergessen. Die Besucher*innen wird eingeladen, einen visuell-meditativen Streifzug durch das Hybrid dieser Gefüge zu unternehmen und sich in der Unendlichkeit der subtilen Bewegungen zu verlieren. Ebenso wie das Teehaus findet auch in den Projektionen eine Loslösung der Bäume aus ihrem „natürlichen Raum“ statt.

Die Verortung der beiden Positionen in einem geschlossenen Innenraum schließt Umwelteinflüsse aus und schafft in gewisser Weise einen geschützten Platz, der zum Fallenlassen und Ausprobieren einlädt. Huber produziert auf Basis dieser Idee virtuelle Testräume in seinen artifiziell erzeugten Visualisierungen und stellt die Analogie zwischen Vorstellung und Wirklichkeit in den Fokus seiner Auseinandersetzung. Er suggeriert eine echte Welt, die eigentlich keine ist. Was fehlt ist der Duft der Kirschblüten, der sachte Windhauch, der durch die Äste weht. Er verzichtet bewusst auf das Gefangennehmen aller Sinne. Denn in das Riechen, Schmecken und Fühlen einzuführen, bleibt dem Zeremonienmeister überlassen.

 

DATUM

12. MÄRZ – 15. MÄRZ 2019

BETEILIGTE

Gerhard Feldbacher (Architekt Teehaus)
Nenad Ivic (Tee-Zeremonien-Meister)
Daniel Huber (Projektionen)

LINKS

Artikel in „www.regionews.at“
Gerhard Feldbacher Website
Daniel Huber Website