Kids . Anneliese Kaar

 Anneliese Kaar - Cornelius, Acryl auf Papier, 120×180cm, 2017

Anneliese Kaar - Cornelius, Acryl auf Papier, 120×180cm, 2017


22|2|2018 - 23|3|2018



Anneliese Kaar
Kids

Eröffnung: Mittwoch, 21.2.2018, 19:00h
Es spricht zur Eröffnung: Dr. Julia Feldkircher-Di Feo
Ausstellungsdauer: 22.2.–23.3.2018
Finissage: Donnerstag, 22. März 2018, 18 Uhr

Zu den Zeichnungen von Anneliese Kaar
Es sind kleine Momente und Geschichten, die sich in den rigoros reduzierten Zeichnungen von Anneliese Kaar zutragen (können). In einem Medium, das heute als aktuelles autonomes Ausdrucksmittel große Beachtung findet & intensive Auseinandersetzung erfährt.  Das war nicht immer so. Denn kunsthistorisch betrachtet stand die Zeichnung über Jahrhunderte im Schatten der Malerei. Mit der Zeichnung wurden Bildideen rasch skizziert oder Kompositionen eines Gemäldes erprobt und schließlich festgelegt. Als eigenständiges Kunstwerk wurde sie jedoch kaum wahrgenommen. Die Zeichnung war traditionell ein dienendes, ein vorbereitendes Medium, der Entwurf ein Übergangsstadium, darauf wartend, in Farbe und großflächig vollendet zu werden. Erst die gewaltige Bilderflut der Gegenwart befreite sie aus ihrem Schattendasein. Im Gewitter der Überfülle wird das zum Strich Reduzierte plötzlich zum Wertvollsten, was die Blick- und Schauwelt uns anzubieten vermag.

Anneliese Kaar weiß darum Bescheid. So, wie sie jeden einzelnen Strich in ihrer Zeichnung setzt, wird aus Reduktion Konzentration. Wird aus der Verknappung wertvolle Verdichtung. Und zwingt damit zum präzisen, forschenden Blick.
Die Themenwelt der Künstlerin ist außergewöhnlich. Nicht, dass es in der Geschichte der Kunst keine Kinderporträts gegeben hätte. In der Romantik und im Biedermeier waren sie stets beliebte Sujets. Nur: Die Kinder in den Zeichnungen Anneliese Kaars sind anders als die lieblichen, idealisierten des 19. Jahrhunderts. Ihre Kids sind jeweils eigenwillige, moderne Archetypen, klar deutbare Figuren, individuelle Charaktere, in ihrer Gestik und Mimik eindeutig codiert und unverstellt Haltungen und Eigenschaften darstellend, die im späteren Lebensalter zur Pose gerinnen. Nicht das Gewollte, Manierierte, sondern das natürliche Bewegungsrepertoire ist in ihrem Blickfeld.

Eben das ist das Besondere in den Bildern der Künstlerin: Sie zeigt, indem sie unverrückbare Konturen setzt – Konturen, die die Gestalten von der Welt trennen und sie damit gleichzeitig in die Welt stellen –, die jeweils überraschend überzeugende Ausdrucksfähigkeit von Kindern. Eine unverstellte Ausdrucksfähigkeit, die im Erwachsenenalter zur Gänze abhanden kommt, eine Unmittelbarkeit & bewusste Präsenz. Die kindliche Freude am eigenen Körper, das Einssein mit sich selbst, das Verletzliche und Zarte, das Souveräne und Eigenwillige.
Dies entdeckt und in einem dem Erscheinen der Kinder adäquaten, also ebenso unmissverständlichen Strich auf das Papier gebracht zu haben, ist die große Kunst Anneliese Kaars. Nicht Körper & Raum muss ihre Linie erschaffen, sondern Gegenwärtigkeit & Unmissverständlichkeit.
Dr. Gottfried Goiginger, Salzburg


Anneliese Kaar, geboren 1967 in Linz, lebt und arbeitet in Salzburg.