inside . Annelies Senfter

 Annelies Senfter, aus der Serie »Insomnia«, 2013, Inkjet auf Papier, 60 × 90 cm

Annelies Senfter, aus der Serie »Insomnia«, 2013, Inkjet auf Papier, 60 × 90 cm


20|8|2015 - 11|9|2015



Annelies Senfter inside

 

Eröffnung: 19. August 2015, 19 Uhr

Ausstellung: 20. August bis 11. September 2015

Einführung: Dr. Luise Reitstätter

Öffnungszeiten: Di-Fr 18:00-20:00 Uhr


Die aktuelle Ausstellung in der Galerie Eboran Salzburg präsentiert neue Arbeiten von Annelies Senfter. Es sind Bilder, die sie machen möchte, aber (noch) nicht gemacht hat. Es sind Bilder aus privaten Archiven, die im öffentlichen Raum auftauchen. Es sind eigendynamische Bilder ihrer Kamera, die einem Unfall entstammen. Es sind Bilder, die ihre Nächte und ihre Träume beherrschen. Annelies Senfter nimmt das scheinbar Zufällige, das scheinbar Banale in den Blick und offenbart eine Poesie des Alltags.


Eine Vielzahl an Bildern ist Teil von uns, aber nicht immer kontrollierbar. Die Bilder, sie wachsen, sie verschwimmen, sie überlagern sich und entfalten im Denken ihr Eigenleben.“ (Dr. Luise Reitstätter)


Statt Fotografien sind es in der 7-teiligen Textarbeit Asking someone’s permission to take a photograph is a difficult moment. (2012) wohlgewählte präzise Beschreibungen, die das Bild ersetzen oder vielmehr dazu anregen, es im Kopf entstehen zu lassen. Die Fotografien selbst sind unrealisiert. Dieser diskrete Zugang ist symptomatisch für Annelies Senfters Arbeiten. Nahezu verhalten geht sie vor, wenn sie gewisse Situationen in den Blick nimmt, behutsam begibt sie sich auf die Suche nach Bildern.


In der Arbeit Found photographs in public space (2012-2014) ist es eine Auswahl von fünf Fotografien, die auf die Stadt Paris verweisen: Ein schwarz-weißes Männerportrait auf dunklem Asphalt mit Fußabdruck oder die aufgehängte Modestrecke einer weiß-gekleideten Frau, die Brautassoziationen hervorruft und mit schwarzen groben Schuhen bricht. Weder forciert Annelies Senfter die Situation, noch manipuliert sie das Material nachträglich. Das Material selbst gibt in gewisser Weise vor, was sukzessiv gesammelt, was fotografisch gerahmt, was textlich visualisiert wird.


Die Arbeit Insomnia (2013) hingegen ist eine Referenz auf das Leben in der ländlichen Provinz. Am Rande des dörflichen Sportplatzes sind Jugendliche im Halbdunkel zu erkennen, die sich dort die nächtliche Zeit vertreiben. Wie auch in früheren Serien verbindet Annelies Senfter hier die Bilder mit einem Literaturzitat: „Ich dachte einen Moment lang an die Welt außerhalb meines Hauses, und dann dachte ich an nichts mehr außer dass ich nun wirklich schlafen musste.“ Es ist Teil der Kurzgeschichte „I Could See the Smallest Things“ aus dem überaus populären Buch „What We Talk About When We Talk About Love“ des amerikanischen Schriftstellers Raymond Carver. Die damit verbundene Themensetzung zwischen Romantik, Melancholie und Schlaflosigkeit ist konkret, aber dennoch unaufdringlich wie Senfters Arbeiten im Allgemeinen.


18 Mal betätigt die Künstlerin den Auslöser ihrer Kamera in ihrer Tasche nach einem Sturz. Nur um zu sehen, ob sie beschädigt ist. Aus vollkommen schwarzen Bildern werden im Nachhinein Originale, die auf schwarzem Grund eine unterschiedliche Anzahl an weißen Punkten gleich einem Sternensystem offenbaren. In When I close my eyes in the darkness (2013 entsteht eine Arbeit, die wieder auf andere Bilder verweist: Bilder, die mit diesem Film gemacht werden hätten können oder eben auch Bilder, die über das vorhandene Resultat imaginiert werden. Annelies Senfter selbst meint: „Die Fotos erinnern mich an das, was ich sehe, wenn ich im Dunkeln die Augen schließe. Nachbilder, Phantome. Einen schwarzen, unendlichen Raum mit weißen Punkten, die sich zu bewegen beginnen, wenn ich versuche, sie zu fixieren.


Die fotografischen Serien von Annelies Senfter entstehen gleich einer künstlerischen Untersuchung parallel zueinander, als sensible Wahrnehmung ihrer Umgebung und ihres Inneren.


Annelies Senfter, geb. 1980 in Lienz lebt und arbeitet in Salzburg und Lienz.
Die Ausstellung „inside“ ist 2015 die dritte Einzelpräsentation von Annelies Senfter: Noch bis ?4. September 2015 ist die Ausstellung „Narben“ in der RLB-Galerie in Lienz zu sehen, zu der ein Katalog erschienen ist. Im Juli 2015 waren ihre Werke im Arthouse Sardinia in Alghero zu sehen – eine Ausstellung in Zusammenarbeit des Landes Salzburg und der Ass. Fondo VP-Sardinia. Annelies Senfter ist 2015 Stipendiatin der Emanuel und Sofie Fohn-Stipendienstiftung. Ihre Arbeit ist in der Sammlung Land Salzburg vertreten und wird in die Sammlung des Landesmuseums Ferdinandeum in Innsbruck aufgenommen.