Fell und Kralle .  


17|11|2018 – 18|11|2018

 

Fell und Kralle - Krampusausstellung
Eröffnung: Fr 16.11. 19.00 Uhr
Dauer: 17.11. - 18.11.2018

Eboran Galerie
Stumpergasse 7
1060 Wien, Austria
Öffnungszeiten: Do–Fr, 18–20 Uhr, Sa 14–17 Uhr


Krampusse sind gleichzeitig mysteriös und banal. Alle kennen sich hierzulande aus: Krampusse strafen Kinder und Erwachsene, sie sind schrecklich und lustbetont zugleich.
Fragt man etwas genauer nach und schaut man zu in den verschiedenen Dörfern und Städten dieses Landes, steht man plötzlich vor einem Universum divergierender Interpretationen, Ausformungen, Geschichten und Traditionen.
Was hier die Riedl-Pass versucht, ist, dieser Mischung gerecht zu werden, sie ernst zu nehmen. Ernst in den Sehnsüchten, die mit den Maskierungen ausgedrückt werden.
Franz Riedl (1932-2014), aus St. Wolfgang im Salzkammergut, hat die ausgestellten Masken im Laufe von 50 Jahren geschnitzt, er war leidenschaftlicher Anhänger des Krampusbrauchs. D´ Riedl-Pass, die nach seinem Namen von Kilian Hitzl  gegründet wurde, besteht seit 18 Jahren. Sie fühlt sich der Krampustradition verpflichtet, identifiziert sich damit, ist seit ihrem Bestehen Experimentellem aufgeschlossen und sucht neue Querverbindungen zu verschiedensten künstlerischen Ausdrucksformen. Die gegenwärtige Ausstellung soll Laborcharakter haben und deutet das Phänomen Krampus aus unterschiedlichen Perspektiven.
Die frühen Masken von Franz Riedl sind stark vom „Osttiroler Stil“ geprägt, expressionistisch, oft auch experimentell, verschiedene volkskulturelle Moden vorwegnehmend oder weiterentwickelnd. Die Masken sind im Laufe von 50 Jahren entstanden, sie werden jährlich verwendet, immer wieder restauriert und übermalt. Sie haben alle ihre individuelle Geschichte, die sich in den Schrammen, die sie davon getragen haben, ausdrückt.
Sein Sohn, der Künstler Franz Riedl junior, ist damit aufgewachsen, sozusagen im Brauch „sozialisiert“ worden, wie seine jugendlichen Scherenschnitte zeigen. Im Kurzfilm dekonstruiert er die Gewalt des Krampusses. Einsam und depressiv will dieser Krampus weg, weit weg, träumt von Amerika.
Das Schwermütige und Abschreckende wird konterkariert durch die Bilder von Wolfgang Zeindl. Seine Krampusse sind neckisch, radeln freundlich durch den Wald, vergnügen sich mit nackten Frauen und Schneemännern.
Dazu kommt die Wasser speiende Hobangoaß von Franz Riedl senior, eine sehr eigenwillige Interpretation, die die Riedl-Pass bei ihren Krampusspäßen immer mitführte.
Es ist diese Mischung aus dem Salzkammergut, die hier Altes und Neues, Passendes und Unpassendes zusammenbringt: Grinsen und Grauen und den intensiven Wunsch zu flüchten, die Ambivalenz von „Heimat“ eben.