JARDIN APRES LA MOUSSON . Paul Divjak


Paul Divjak. #1008, 2013. Aus der Serie "Moment Scale", Mischtechnik / C-Print

20|11|2013 – 31|01|2014

 

 

Paul Divjak
JARDIN APRÈS LA MOUSSON


Eröffnung: Mittwoch, 20.11.2013, 19 Uhr
Einführung: Dr. Paul Divjak
Ausstellungsdauer: 20.11. 2013– 31.01. 2014

Öffnungszeiten: Dienstag–Freitag 18–20 Uhr




 „Aus den realen oder imaginären Mülltonnen der Geschichte gewinnt Paul Divjak das Rohmaterial für seine künstlerische Erinnerungsarbeit“, hat der Kulturjournalist und Kurator Thomas Mießgang einmal festgestellt: „Gefühl und Leere, Seinsfülle und ihre bleichen Skelette als Gespenster aus der globalisierten Existenzwüste, materielle Substrate gelebten Lebens und ihre digitalen Schattenrisse - das sind wesentliche Parameter innerhalb derer Divjak seine Versuchsanordnungen arrangiert.“

Das „Jahrhunderthochwasser“ im Frühsommer 2013 hat ganze Landstriche verwüstet, Häuser zerstört, Menschen obdachlos gemacht. Die Flut hat sichtbare Spuren der Zerstörung hinterlassen. Auch Divjaks Sommeratelier an der Donau liegt im Überschwemmungsgebiet, im Auland. Zwischen Chaos und Manie hat der Künstler wiederholt Müllberge bestiegen und ausgewählte Fundstücke im Atelier zusammengetragen. Aus Angeschwemmtem und Weggeworfenem entstanden in monatelanger Arbeit dichte, ebenso facettenreiche wie unterschiedlich lesbare Werkserien.

In der Galerie Eboran erstmals zu sehen sind nun neben den teils skurrilen „gebuchten Objekten“, in die sich Cut-Ups, oder treffender: Schnipsel der Literaturgeschichte einschreiben, somnambule, schwarzweiße Fotoarbeiten („Moment Scale“), bei denen sich Erinnerungsspuren noch bevor sie konkret werden bereits wieder in der Abstraktion verlieren sowie aus alten Jute-Kaffeesäcken geschnürte Skulpturen, die mitunter äußerst ambivalente Assoziationen auslösen. („Fetzenschädel - Jute als Plastik“)

Paul Divjak lädt den Abfall durch die Transformation zum Werk ein, in einen neuen Zustand überzugehen, die Zeit noch ein wenig länger zu überdauern. Objekte des Alltags in der Konsumwelt sind stillgestellt und werden mit neuem Bedeutungsgehalt aufgeladen, Bildfragmente treten zu blitzhaften Konstellationen zusammen, melancholische Klangräume wirken nach. Ein Rest bleibt immer. Und ein Hauch von Müllpoesie weht durch die Galerie.
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Paul Divjak (Dr. MAS) hat an der Universität Wien und an der ZHdK, Zürich studiert. Er ist in den Bereichen Literatur, Film, Fotografie, Objekt, Installation, elektronische Musik und Kulturwissenschaft tätig. Ausstellungen/Ausstellungsteilnahmen u.a: Prague Quadrennial, Austrian Cultural Forum, NY, Para/Site Hong Kong, Kunsthalle Wien, Museum Essl, Zacheta Gallery Warschau, Fotohof Salzburg. Divjak lebt in Wien.

Zuletzt veröffentlichte er den Band Integrative Inszenierungen. Zur Szenografie von partizipativen Räumen (transcript, 2012) und die Erzählung Unter einer leuchtend grünen Wiese verbirgt sich ein gespenstischer Frauenkopf in leuchtenden Farben (Ritter, 2011)

Weitere Informationen zum Künstler: www.pauldivjak.com