OMNIBUS 3D . Bodo Hell

 Bodo Hell: Friederike Mayröcker, 2012

Bodo Hell: Friederike Mayröcker, 2012


OMNIBUS 3D

21. März bis 19. April 2013

 

 

Eröffnung: 20.3.2013, 19 Uhr

Zur Ausstellung spricht: Dr. Kurt Kaindl (Fotohof)

Zum Buch spricht: Dr. Christa Gürtler (Leselampe)

Mit Text-Musik-Performance: Peter Angerer / Bodo Hell / Fritz Moßhammer

 

Öffnungszeiten: Di–Fr 18–20 Uhr

 

 

Bodo Hell wird in der Ausstellung in der Galerie Eboran in mehreren Werkgruppen einen großen Überblick seines fotografischen Schaffens zeigen. Neben den schon bekannten und auch entsprechend publizierten „Schriftbildern“, etwa in dem Buch „Stadtschrift“ (edition neue texte, 1983), sind es vor allem seine Stereo- und Panoramafotografien, die in größeren Serien zu sehen sind. Für die Stereofotografien werden die Besucher spezielle Brillen erhalten, um den Stereoeffekt individuell erleben zu können.

 

Obzwar es diese beiden fotografischen Verfahren schon seit der Frühzeit der Fotografie gibt, führen sie doch ein Schattendasein im Mainstream der fotokünstlerischen Entwicklung. Beide Methoden versprechen im traditionellen Verständnis eine größere Realitätstreue: Einerseits durch die dreidimensionale Darstellung, die dem natürlichen Sehen entspricht und andererseits durch einen wesentlich größeren Sehwinkel, der das peripheren Sehen des menschlichen Auges auf eine kleine Bildebene zusammenführt. Beide Verfahren könnten die Illusion nähren, dass Fotografie nur eine Verlängerung der menschlichen Wahrnehmung ist und es das höchste Ziel des Mediums ist, das normale Sehen so gut wie möglich zu kopieren. 

 

Dem steht allerdings die Idee gegenüber, dass die Fotografie auch ein Symbol- und Zeichensystem zunutze macht, um eine künstlerisch verstandene Sicht der Welt zu entwerfen. Betrachtet man das gesamte künstlerische Werk von Bodo Hell – etwa seine Textmontagen oder seine artifizielle Vortragskunst – so kann man begründet vermuten, dass er auch mit der Fotografie eine vergleichbare Strategie verfolgt. In seinen Bildern geht es nicht um die tradierte Nutzung der fotografischen Verfahren sondern um eine Neubewertung. Während die konventionelle Stereofotografie effekthascherisch die Überraschung der extremen Nahaufnahme, der abenteuerlichen Durchblicke und der scheinbar endlosen Tiefe ausnützt, fotografiert Bodo Hell mit seiner kleinen Loreo - Stereokamera unvermittelt aus der Konversation heraus seine Gesprächspartner. Es sind beiläufige, fast unbemerkte und spielerische Schnappschüsse surrealer Zusammenstellungen von Objekten oder Personen in einer Gesprächssituation, ohne mit diesen Aufnahmen die Begegnung der abgelichteten Menschen zu stören. So ist in Jahrzehnten ein Panoptikum seiner intensiven wie flüchtigen Bekanntschaften entstanden, symbolisch in einen dreidimensionalen kommunikativen Raum eingeschlossen, den der Ausstellungsbesucher nur mit einer speziellen Betrachtungsvorrichtung betreten kann. 

 

Auch seine Panoramafotografien enthalten den Bruch zur Wirklichkeit, indem sie deutlich sichtbar aus einzelnen Belichtungen bestehen, die mechanisch montiert nicht die Glätte und Belanglosigkeit der durch den Computer montierten Panoramabilder aufweisen. Bodo Hell lenkt den Blick auch auf die fotografischen Methoden der Aneignung der Wirklichkeit. Das dreidimensionale Bild als Kommunikationsraum und das Panoramafoto als Versprechen der Rundumsicht ohne „blinden Fleck“.

 

Die Ausstellung anlässlich eines runden Geburtstags von Bodo Hell in der Galerie Eboran wird erstmals einen großen Überblick über diesen Aspekt seiner künstlerischen Arbeit zeigen.

 

Eine Kooperation von Galerie Eboran, Leselampe und Fotohof.