GESICHTET WERDEN . Johann Schwarz

 Johann Schwarz: O.T., 2012. Je 120 × 90 cm, veg. gegerbte Schweinehaut, Eisenstaub

Johann Schwarz: O.T., 2012. Je 120 × 90 cm, veg. gegerbte Schweinehaut, Eisenstaub


1. Februar bis 1. März 2013

 

 

Eröffnung: 31.1.2013, 19 Uhr

Zur Ausstellung spricht: Dr.Ulrike Reinert

Öffnungszeiten: Di–Fr 18–20 Uhr

 

GESICHTET WERDEN

Johann Schwarz hat sich in seiner Kunst auf ausschließlich einen Bildträger reduziert: Pflanzlich gegerbtes Schweinsleder. Die Galerie Eboran zeigt seine Porträts auf Tierhaut.(...) Monumental vergrößert blicken Berühmte, aber auch heute bereits Unbekannte schweigend und unbeteiligt dem Betrachter entgegen. Diese Bilder scheinen das Vergessen zu thematisieren, Identitäten sind an den Faktor Zeit gebunden. Nicht die repräsentative Aufgabe des Porträts, sondern eine memoriale Bedeutung liegt auf ihnen: Blass treten die Antlitze auf der Lederoberfläche in Erscheinung, als tauchten sie aus der Ferne auf um sich in Erinnerung zu rufen. Schwarz hat eine subtile Form der Entstehung und des Sichtbarwerdens seiner Gesichter gefunden. Umgekehrt zum Prozess des Tätowierens, bei dem Haut von außen nach innen durchdrungen wird, leitet Schwarz einen Vorgang ein, der allmähich von innen nach außen, von der Rückseite an die Oberfläche des Leders tritt. Auf den ersten Blick nur eine geometrische Anordnung verschieden großer Punkte, geben sich Antlitze nach und nach dem forschenden Blick des Betrachters zu erkennen. Pars pro toto steht jedes einzelne Gesicht für einen ganz bestimmten Menschen mit seinen Leistungen und Taten. Dank ihrer massenmedialen Präsenz ist es ein Leichtes Stars wie beispielsweise Naomi Campell, Waris Dirie, Hansi Hinterseer zu erkennen. (...)

Schwarz bedient sich des Internets, wählt ihm interessant scheinende Frontalaufnahmen in Schwarz-Weiß, vergrößert diese und reduziert die Merkmale des individuellen Gesichts auf jenes Mindestmaß, das zur Identifizierung nötig ist, aber über die Befindlichkeit der Person, ihre Subjektivität und Emotionalität keinerlei Aufschluss gibt. Die Bildnisse selbst sind stark entindividualisiert und in ihrem Format vereinheitlicht; in ihrer „Entstehung“ gestattet sich Schwarz keine spontane individuelle Geste. (...) An der Bildwerdung selbst hat er nur indirekt Anteil, denn das Abbild tritt – gleichsam von selbst - durch einen chemischen Prozess zutage. Auch nach Jahren im Umgang mit seiner Technik spricht Schwarz vom experimentellen Charakter des jeweiligen Entstehens: Das durch den Gerbvorgang einst haltbar gemachte Leder befindet sich in chemischem Gleichgewicht. Durch das Aufbringen von Eisenpulver in Form der Rasterpunkte auf das in Wasser eingeweichte Leder in Verbindung mit Gerbsäure beginnt ein Oxidationsprozess – die dunklen Pigmentpunkte entstehen, die sich im Auge des Betrachters zu den Gesichtern bekannter wie berühmter Namen formieren.

Text (gekürzt): Gudrun Weinzierl