natur.gemäß . Christian Ecker


16|6|2016 - 15|7|2016


Christian Ecker
natur:gemäß



Eröffnung: Mittwoch, 15. Juni 2016, 19.00 Uhr
Einführung: Gottfried Kasparek
Ausstellungsdauer: 16. Juni bis 15. Juli 2016
Musik: Florian Tiefenbacher, Uraufführung: “Wasser - ruhige Sphären“





unsere dritte Eröffnung zeigt das Gemeinschaftsprojekt von bildender Kunst und zeitgenössischer Musik des Salzburger Künstlers und Fotografen Christian Ecker mit dem Komponisten Florian Tiefenbacher. Wir freuen uns im besonderen auf seine 84-teilige Arbeit „Cyanobakterie, die Christian Ecker in der seltenen fotografischen Technik der Cyanotypie umgesetzt hat.

„talaus tagein“

Das Aufspühren des grafisch, malerischen mit der Kamera war der Ausgangspunkt für die Werkserie „talaus-tagein“. Über zwei Jahre war Christian Ecker immer wieder mit der Kamera an der Krimmler Ache und dokumentierte das Fließen des Wassers. Damit knüpft er an sein bisheriges bildnerisches Schaffen an, das von einem linearen Gestaltungsprinzip geprägt ist: Umwicklungen, Kopfwerke mit Wicklungen, lineare Zahlenfragmente, Datumsbilder bis hin zu seinen vertical headlinens. Durch den fotografischen Prozess entstehen zeitverzögerte Momentaufnahmen die wie gestisch gemalte Bilder wirken. Scharfes wird unscharf, weich fließend. Einzelne Spritzer des Wassers bilden sich zu Linien aus. Das scheinbar chaotische ist fließende Ordnung. Die Bilder wirken meditativ, strahlen Stille und Ruhe aus - und doch ist die Dramaturgie einem Ordnungsprinzip folgend und signalisiert eine in sich starke Dynamik aus Bewegung.

„Vom Wasser beweint“
Eine Fotoarbeit die die Veränderung des Böschungsbewuchses an der Salzach ein Jahr nach dem Hochwasser von 2013 zeigt. Auch in dieser Arbeit bildet das grafisch - lineare der Ansammlungen, Verdichtungen, Bündelungen, Wicklungen, Ablagerungen, Auftürmungen, Anschwemmungen den Gegenstand der Fotoarbeit. Hängengebliebenes baut sich auf, verdichtet sich, erweitert das
zarte Geäst mit Knoten und schichtweisen Überlagerungen. Knäuel entstehen, Farbelemente kommen hinzu durch angeschwemmte
Kunststoffteile und Gewebefragmente.

„Cyanobakterien, Cyanotypien“

Vor 2,5 Milliarden Jahren beginnt das spannendste Kapitel der Erdgeschichte: Die chemische Umwandlung der sauerstofflosen Gashülle in jene Atmosphäre, die uns heute die Luft zum Atmen schenkt. Eine Milliarde Jahre nach den ersten Organismen verändern im Wasser heimische Cyanobakterien die Lebensbedingungen auf der ganzen Erde entscheidend. Diese winzigen Einzeller nutzen das Sonnenlicht zur Photosynthese und setzen dabei als Abfallprodukt Sauerstoff frei. Den Cyanobakterien und ihrer massenhaften Sauerstoffproduktion ist es zu verdanken, dass sich das lebensspendende Gas in der Atmosphäre anreichern konnte. In dieser Arbeit weicht Ecker vom reinen Abbilden der Natur ab und erarbeitet seinen Zugang zu den Bakterien mittels gestisch abstrakter Pinsel und Graphitzeichnungen. Ausgangspunkt sind die ovale Urform der Bakterien. Ein kompositorisches Zusammenspiel von Pinsel-und Bleistiftzeichnung beginnt. Danach wurden die Zeichnungen verfilmt und auf lichtempfindlich beschichtetem Aquarellpapier belichtet. 1842 entdeckte der Naturwissenschafter und Astronom Sir John Herschel ein Verfahren zur Herstellung von stabilen Bildern. Er fand eine chem. Eisenlösung, bei der das Eisen unter UV-Licht blaue Kristalle bildet. Die nicht zu Kristallen umgewandelte Lösung kann mit Wasser ausgewaschen werden. Er nannte seine Methode Cyanotypie. Anders als bei modernen Silbergelatine-Prints entsteht das Bild dabei direkt im Papier und nicht nur in einer Schicht an der Oberfläche.