ratio . Peter Raneburger

 Peter Raneburger - I´m alive (James Foley). 102x140cm. 2016. Foto: Miriam Raneburger

Peter Raneburger - I´m alive (James Foley). 102x140cm. 2016. Foto: Miriam Raneburger


01|12|2016 - 21|01|2017


Peter Raneburger 
ratio
Eröffnung: Mittwoch, 30. November 2016, 19 Uhr
Einführung: Prof. Mag. Dr. Martin Hochleitner (Direktor Salzburg Museum)
Dauer: 1. – 16. Dezember 2016 / 10. – 21. Jänner 2017
Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag, 18-20h

Der Ausstellungstitel lässt erahnen, dass die Rationalität (Vernunftbegabung) im Mittelpunkt der Werkschau von Peter Raneburger steht. Jene Fähigkeit, die uns einerseits als menschliche Personen von allen anderen Lebewesen abhebt, andererseits auch Grundlage dafür ist, dass wir entscheiden können und uns gezielt Mittel und Wege einfallen lassen können, wie wir andere – nicht Gleichgesinnte – quälen und töten. 

Exemplarisch für diese, seit Jahrtausenden praktizierten, Vorgänge stehen Tötungspraktiken des IS – nicht, weil sie sich von anderen Praktiken besonders abheben, sondern, weil sie durch bewusste Einbeziehung der digitalen Medien am besten dokumentiert sind.

Das Bild, das Foto, das Video als Mittel zur Festhaltung eines Moments – eines Moments des Todes – den wir alle fürchten. Inszeniert für ein Publikum, das das Unfassbare verabscheut und doch davon in den Bann gezogen wird.

Im Zentrum der Ausstellung von Peter Raneburger, die eigens für die Galerie Eboran konzipiert wurde, steht ein Stahlkäfig – nicht bloß als Symbol für die Unterdrückung des freien Willens, sondern vor allem als Beispiel für ein Werkzeug, ein Instrument, das in der folgenden fotographischen Werkreihe „zum Einsatz“ kommt. In dieser 5-teiligen Fotoserie werden Tötungspraktiken nachgestellt – inszeniert an vermeindlich idyllischen Orten beängstigend fern jeder Zivilisation. Die (fehlende) Opferrolle übernimmt der Betrachter selbst, indem er sich durch seine Vorstellungskraft unvermittelt damit identifiziert. 

Die grausame Realität kehrt spätestens dann ins Bewusstsein zurück, wenn man die gemalten Porträts von Opfern mit Namen sieht, die gleichsam als „stumme Zeugen“ den mahnenden Abschluss der Ausstellung bilden.

Zur Arbeit von Peter Raneburger:
Seine Arbeiten sind das Ergebnis eines ausgesprochen intensiven Kommunikationsprozesses. ... Das Beobachtungsfeld Raneburgers ist weit gestreut. Es reicht von politischen, kulturellen, gesellschaftlichen Aspekten bis zu sehr persönlichen emotionalen Schilderungen seiner Befindlichkeit. ...
Ein höchstpersönliches künstlerisches Statement zu einer gesellschaftlichen Realität, die das Schlechte, Fanatische, Extreme, Gewaltorientierte, Terroristische, Destruktive absolut personalisiert. Peter Raneburger reagiert auf eine mediale Bildwelt, die schnell bereit ist, konkrete Individuen zu verbannen bzw. zu idealisieren. ...
Dahinter steckt ein Bemühen, das sich der Vordergründigkeit und der moralisierenden Geste sehr deutlich zu entziehen versucht. Wie immer steht das Projekt unter dem Konzept, gesellschaftliche Realität, Fiktion, Annahme und Interpretation präzise über die eigene Identität zu reflektieren und als Bild in die Gesellschaft zurückzuwerfen.
Prof. Mag. Dr. MARTIN HOCHLEITNER (Auszüge aus einem Text von 2002)