Enterdet . Christian Ecker, Erwin Lichtenegger, Monika Sobotik

 Monika Sobotik, Euphorbia seguriana, Wurzelfreilegung, 1988, 148×48 cm <br />Christian Ecker, Ansiedelung, 2013, Pigmentdruck auf Baryt, 59,6×42 cm

Monika Sobotik, Euphorbia seguriana, Wurzelfreilegung, 1988, 148×48 cm
Christian Ecker, Ansiedelung, 2013, Pigmentdruck auf Baryt, 59,6×42 cm


2|8 - 31|8|2018



Christian Ecker, Erwin Lichtenegger, Monika Sobotik
Enterdet

Eröffnung: Mi 1.8. 19.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 2.8. bis 31.8.2018
Öffnungszeiten: Di–Fr, 18–20 Uhr


Was hier versucht wird, ist ein Dialog zwischen Naturwissenschaft und Kunst, konkret zwischen der Botanikerin und Wurzelforscherin Monika Sobotik und dem Künstler Christian Ecker. Ausgangspunkt sind die Be- und Verarbeitung natürlicher Prozesse. Es werden Wurzelpräparate, Zeichnungen und Fotografien der PionierInnen der österreichischen Wurzelforschung mit hoher internationaler Reputation, Lore Kutschera (+ 2008), Erwin Lichtenegger (+ 2004) und Monika Sobotik präsentiert.
Mit diesen Ergebnissen von Forschungsprozessen versucht der Künstler Christian Ecker mit seinen „Böschungsansiedelungen“ in Zwiesprache zu treten. Verwurzelung die einen, Entwurzelung und Weggetriebenes der andere. Im Gespräch betont Monika Sobotik, dass Wurzelforschung „Freilegen“ bedeutet. Wurzeln sind unter der Erde versteckt. Ihren Geheimissen aus naturwissenschaftlicher Perspektive nachzuspüren, ihre Funktionen zu entschlüsseln beschäftigt(e) die drei NaturwissenschafterInnen bis ins hohe Alter. Sie „freilegen“ eben bis ins Innerste, das wurde diesem Dreierteam und HerausgeberInnen der Wurzelatlanten zur Lebensaufgabe. Der botanische, naturwissenschaftliche Blick kam ohne das Künstlerische nicht aus. Erwin Lichtenegger war ein begnadeter, detailgetreuer Zeichner. Mit feinstem Strich bildete er bis kurz vor seinem Tod in Österreich, der Mongolei, in der Namib im südwestlichen Afrika das ab, was fotografisch in dieser Perspektivität nicht erfassbar war. Monika Sobotik kommentiert dazu: „Die Zeichnungen sind sicher Kunstwerke. Die Kunst ist in diesem Fall zum Werkzeug geworden“. Zum Werkzeug, um etwas anschaubar zu machen, das man in dieser Form sonst nicht anschauen kann. Systematisch, Zentimeter für Zentimeter werden Wurzeln freigelegt, fotografisch dokumentiert, präpariert, in dünnste Scheiben zerschnitten und im Mikroskop untersucht. Den Wurzelstock aber in seiner gesamten Räumlichkeit, ent-erdet darzustellen, das macht die Kunst möglich. Als abstrakte Kunst lassen sich auch Monika Sobotiks mikroskopische Wurzelschnitte deuten, Mandalas von farbenprächtiger Schönheit.
Christian Ecker fokussiert auf Schwemmreste, Gestrandetes nach Überschwemmungen, die er „Ansiedelungen“ nennt. Anfang und Ende von Prozessen, von Lebensprozessen, die zusammenlaufen, einander bedingen. Es sind gegensätzliche aber sich ergänzende Blicke auf EINE Welt. Die Wissenschaft sucht nach Antworten, die Kunst stellt Fragen, so Christian Ecker. Und ich als Anthropologin, ich beobachte.
Gertraud Seiser